Der Philosoph Plotin ist der Gründer des Neuplatonismus. Mit dieser Bezeichnung ist eine philosophische Strömung der Spätantike gemeint, deren Anhänger sich als Fortsetzer der Philosophie Platons sahen. Im Gegensatz zu anderen Denkern der Spätantike sind all seine Schriften erhalten: die Enneaden, die aus sechs Büchern bestehen, jedes in neun Kapitel gegliedert, die von Plotins Schüler Porphyrios zusammengestellt wurden. Plotins Philosophie ist vor allem für ihre abstrakte Metaphysik bekannt, die das Eine als das oberste Prinzip identifiziert. Aus diesem Prinzip leitet er ein System der Gesamtheit des Realen her. Im Seminar werden wir rekonstruieren, wie Plotin zur Idee des Einen als oberstem Prinzip kam. Dafür werden wir versuchen, ausgehend von der Lektüre von ausgewählten Abschnitten der Enneaden, einen Überblick über Plotins ganzes System zu bekommen. Ziel ist es, Plotin nicht nur als einen Meilenstein in der Geschichte der Philosophie zu betrachten, sondern auch als einen echten Philosophen, der sich mit den Thesen von bekannteren Philosophen wie Platon, Aristoteles und den Stoikern auseinandersetzt.