
Was bedeutet Freiheit in politischen Zusammenhängen – und wie kann sie erlernt, erfahren und gelebt werden? Was hat Freiheit damit zu tun, eine eigene politische Stimme zu entwickeln? Welche Rolle spielen Bildung, Urteilskraft und gemeinsames Denken für verantwortliches politisches Handeln? Und in welchem Verhältnis zueinander stehen demokratisches Zusammenleben, Dialog unter Verschiedenen und Freundschaft?
In diesem Seminar beschäftigen wir uns mit den zentralen Motiven im Werk der politischen Theoretikerin Hannah Arendt und verbinden diese mit grundlegenden Fragen von gesellschaftlichem Wandel und Bildung. Dabei setzen wir uns mit ausgewählten Texten von Arendt und von erziehungswissenschaftlichen Autor*innen auseinander, die ihr Werk für unsere Disziplin anschlussfähig gemacht haben. Ausgehend von Arendts Überlegungen zu Politik, Freiheit, Pluralität, Öffentlichkeit, (Un-)Zugehörigkeit, Verantwortung und Natalität kann Bildung als eine Arena verstanden werden, in der Menschen lernen, immer wieder neue Anfänge zu machen, sich zur Welt zu verhalten, Urteile zu bilden und politisch handlungsfähig zu werden. Einen Schwerpunkt legen wir dabei auf Arendts Verständnis von Freundschaft und Dialog als Bildungs- und Praxisformen: Freundschaft erscheint als Möglichkeit, die Sichtweisen anderer einzunehmen, Unterschiede auszuhalten und gemeinsam zu denken. Hannah Arendt ist eine Theoretikerin, die uns als Erziehungswissenschaftler*innen gerade in diesen Zeiten sich verschärfender politischer und gesellschaftlicher Krisen viel zu sagen hat.
- Teacher: Madeleine Scherrer