«Der Staat ist der Mann», deklarierte der Zürcher Rechtswissenschaftler Johann Caspar Bluntschli in seiner Allgemeinen Staatslehre von 1875. Aussagen dieser Art waren lange so selbstverständlich, dass sie sich im Prinzip erübrigten. Die volle Staatsbürgerschaft mit politischen Partizipationsrechten war Männern vorbehalten, die Sphäre des öffentlichen Lebens seit der Antike männlich codiert, der moderne Staat, die moderne Demokratie ein Männerstaat. Lächerlich machte sich, wer das in Frage stellte. Wie hat das unseren Begriff des Politischen geprägt? Welche Bedeutung hat die Kategorie Geschlecht für den Bereich der Politik? Wie strukturiert Geschlecht politische Machtverhältnisse? Auf welche Weise steuert Geschlecht das politische Leben und die politische Partizipation? Gelten für Männer und Frauen auf dem Feld der Politik unterschiedliche Regeln? Sind Politikbereiche männlich oder weiblich konnotiert, und was sagt das über ihre Relevanz aus?
Anhand einer Einführung in die Geschlechterforschung werden wir diesen Fragen im Kurs nachgehen. Der Schwerpunkt des Kurses liegt auf theoretischen Texten, die sich explizit mit dem Bereich des Politischen befassen. Vorausgesetzt wird die Bereitschaft, Grundlagentexte genau zu lesen und sich mit theoretischen Fragen vertieft auseinanderzusetzen. Der Kurs wird als partizipative Veranstaltung durchgeführt.
- Enseignant·e: Regula Ludi