Der Kurs bietet eine Einführung in die Grundlagen der feministischen Ökonomie. Im Fokus stehen dabei jenen Formen der unbezahlten Arbeit, die in wirtschaftshistorischen Narrativen lange marginalisiert oder systemisch ausgeblendet wurden: Haus-, Sorge- und Reproduktionsarbeit. Anhand ausgewählter empirischer Fallstudien mit Schwerpunkt auf dem 19. und 20. Jahrhundert werden unter anderem folgenden Themen vertieft: die Entstehung der Hausfrau als Sozialfigur, die Feminisierung der Freiwilligenarbeit im Fürsorgewesen, die Rationalisierung der Hausarbeit, die wohlfahrtsstaatliche Produktion von Geschlechterungleichheiten, aber auch die statistische Unsichtbarmachung unbezahlter Arbeit und deren Politisierung durch die Frauenbewegung in den 1970er Jahren.

Der Kurs verfolgt ein doppeltes Ziel. Zum einen geht es um eine kritische Reflexion der Wirtschaftsgeschichtsschreibung: Wer definiert, was als ökonomisch relevant und produktiv gilt, und welche Wissensordnungen entscheiden über die Sichtbarkeit von Arbeit? Zum anderen soll das «Wirtschaften mit der Geschlechterordnung» (Karin Hausen) als zentrales Forschungsfeld der Wirtschaftsgeschichte bekannt gemacht werden: Wie organisierten wirtschaftliche Transformationen die Geschlechterbeziehungen und inwiefern wirkten umgekehrt geschlechterspezifische Normierungen und Ausschlüsse auf wirtschaftliche Entwicklungen ein?

Der Kurs richtet sich an Studierende, die Interesse an interdisziplinären Fragestellungen und einer geschlechterhistorischen Perspektive auf das Ökonomische haben.