Wenn man etwas bereits weiss oder kennt – warum sollte man danach fragen und forschen? Wenn man es aber nicht weiss oder kennt – wie soll man wissen, wonach man forschen will? Dieses berühmte und herausfordernde Paradox steht im Zentrum von Platons Dialog Menon, einem grundlegenden Text der antiken Philosophie über Erkenntnis, Wissen und Lernen.
In diesem Proseminar lesen wir zunächst gemeinsam den gesamten Dialog Menon und analysieren insbesondere die Formulierung des Paradoxes sowie Platons Antwort in Form der Wiedererinnerungslehre (anamnêsis).
Im zweiten Teil des Proseminars vergleichen wir Platons Position mit zwei weiteren grossen philosophischen Traditionen der Antike:
- Aristoteles, der in seiner Kritik an Platon das Wissen auf Erfahrung (empeiria), Induktion (epagôgê) und die Unterscheidung von potentiellem und aktualem Wissen gründet,
- sowie die epikureische Schule, die die platonische Theorie der angeborenen Ideen ablehnt und stattdessen Erkenntnis auf Sinneseindrücke und natürliche Vorbegriffe (prolêpseis) zurückführt.
Dieser Zugang erlaubt es uns, zentrale Fragen der antiken Erkenntnistheorie zu behandeln und die Vielfalt der Antworten auf das Problem des Wissensgewinns zu erkunden.
- Docente: Jonas Granges