Soziale Medien wie Instagram, TikTok, WhatsApp oder Telegram stehen heute im Zentrum gesellschaftlicher Debatten um die Chancen und Risiken alternative Kommunikationsräume. Dieses Methodenseminar richtet den Blick auf ihre historischen Vorläufer: sogenannte Alternativmedien, die seit den 1960er-Jahren, insbesondere im Kontext der 1968er-Bewegung und der Neuen Sozialen Bewegungen entstanden, aber auch von konservativen bis rechtsextremen Milieus wie den „Neuen Rechten“ instrumentalisiert wurden. Alternativmedien entwickelten sich dort, wo etablierte Medien als unzureichend, einseitig oder elitär wahrgenommen wurden. Sie zeichneten sich durch niederschwellige Partizipation, alternative Finanzierungs- und Produktionsformen sowie experimentelle Gestaltungsweisen aus.
Im Seminar arbeiten wir mit einer breiten Palette von Quellengattungen – von Zeitschriften, Flugblättern und Broschüren über Plakate, Videos und Radiosendungen bis zu frühen digitalen Formaten wie Blogs und Onlineforen. Dabei interessieren uns nicht nur Inhalte, sondern auch Materialität, Gestaltung, Produktionsbedingungen, Distributionswege und Rezeptionspraktiken. Geplant sind 2–3 Archivbesuche, um die Arbeit mit Originalquellen einzuüben.
Ziel des Methodenseminars ist es, sich einen quellenkritischen Umgang mit politisch aufgeladenen und methodisch anspruchsvollen Quellen anzueignen. Dabei sollen nicht nur die Potenziale dieser vielfältigen und ergiebigen Materialien erschlossen, sondern auch ihre Fallstricke erkannt werden. Zugleich bietet das Seminar Raum, um die eigene Rolle und Position als Historiker*in im Umgang mit solchen Quellen kritisch zu reflektieren.
- Enseignant·e: Ahmet Köken
- Enseignant·e: Stefan Rindlisbacher