
Auch wer nicht an Gespenster glaubt, kann sie in der Literatur durchaus geniessen. In Gespenstergeschichten wird häufig Fiktionalität (und damit Literatur) selbst zum Thema, denn das literarische Gespenst wird als Kunstprodukt erst einmal nicht geglaubt, sondern muss glaubhaft gemacht werden. Allerdings gilt dies erst seit der Aufklärung unbestritten. Im Seminar werden wir am Anfang auch noch mit Texten zu tun haben, in denen die Möglichkeit der Wirklichkeit eines Gespensts noch nicht ausgeschlossen wird. Zunehmend aber wird die literarische Gestaltung des Gespenstischen zu einer schriftstellerischen Herausforderung, bei der alle Register gezogen werden: zügellose Fantasie, Irreführung der Lesenden, augenzwinkernder Realismus, ironischer Absurdismus. «Der literarischen Erfindung sind keine Grenzen gesetzt, und ihre kombinatorischen Möglichkeiten grenzen ans Unendliche.» (G. v. Wilpert: Die deutsche Gespenstergeschichte, 1994, S. 22.) Freuen Sie sich auf die Begegnung mit so unterschiedlichen Autor:innen wie Happel, Naubert, Goethe, Kleist, Motte-Fouqué, Hoffmann, Tieck, Storm, Heyse, Hofmannsthal, Kafka, Kaschnitz, Hohler u.a.m.
- Dozent/in: Arnd Beise
- Dozent/in: Julia Sommer