
In westlichen Gesellschaften ist der Fokus auf die Frage, was gelingende Beziehungen sind, in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dieser Fokus wird zum einen mit dem Wandel der Perspektiven auf konventionelle Beziehungsformen wie der Ehe und der zunehmenden Geschlechtergleichheit erklärt. Zum anderen erlaubten Wohlstand und materielle Unabhängigkeit mehr Aufmerksamkeit auf die Erfüllung persönlicher Entfaltung in Beziehungen zu legen. Musliminnen und Muslime in westlichen Gesellschaften stehen vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen an der Schnittstelle verschiedener Herausforderungen: Familiär sehen sie sich vielfach Verständnissen einer heteronormativen Paarbeziehung verpflichtet, die bestimmte Werte wie der Begrenzung vorehelicher Beziehungen oder der starken Bedeutung des Kinderkriegens implizit voraussetzen. Andererseits sind Musliminnen und Muslime gleichermassen von Bedürfnissen der individuellen Selbstverwirklichung geprägt und orientieren sich zunehmend an alternativen Beziehungsmodellen. Musliminnen und Muslime sind gleichzeitig vielfach mit pauschalen Kritiken im Bereich der Vorstellungen von Geschlecht, Familie und Sexualität konfrontiert. Diese Kritiken sind allerdings selbst einer Gegenkritik ausgesetzt, insofern sie etwa als Mittel der Diskriminierung religiöser Minderheiten gedeutet werden. «How to couple up as a Muslim» thematisiert vor diesem Hintergrund, wie Musliminnen und Muslime mit diesen komplexen Spannungen umgehen. Welchen Einfluss haben die allgemeine Liberalisierung und mehrheitsgesellschaftliche Vorstellungen von Geschlechtergleichheit auf das Verständnis von Beziehungen in muslimischen Kontexten? Welche religiösen Normen aus der islamischen Ethik existieren im Bereich von Beziehung, Ehe und Familie und wie verhalten sich diese Normen zu den gelebten Realitäten? Wie gehen Musliminnen und Muslime mit komplexen Macht- und Diskursverhältnissen im Bereich von Geschlecht und Sexualität um?
- Enseignant·e: Amir Ben Noureddine Dziri