Wie haben soziale Bewegungen die Zukunft imaginiert – und wie haben sie versucht, sie zu gestalten? Dieses Proseminar untersucht soziale Bewegungen aus einer Perspektive, die in der jüngeren Geschichtswissenschaft zunehmend an Bedeutung gewonnen hat: der Geschichte vergangener Zukünfte. Im Zentrum stehen die Erwartungen, Hoffnungen und Utopien historischer Akteur:innen sowie die konkreten Praktiken, mit denen sie bestimmte Zukünfte herbeiführen oder abwenden wollten.
Am Beispiel sozialer Bewegungen in Italien und der Schweiz – und ihrer transnationalen Verflechtungen – verfolgen wir diese Fragen von den 1970er Jahren bis in die Gegenwart. Behandelt werden unter anderem die feministischen Bewegungen seit den 1970ern, die italienische 1977er-Bewegung, die Zürcher Jugendbewegung der frühen 1980er Jahre, die globalisierungskritischen Netzwerke der 1990er und frühen 2000er Jahre sowie die jüngere Klimastreik-Bewegung. Leitend sind dabei folgende Fragen: Wer waren die Träger:innen dieser Bewegungen und wie protestierten sie? Was kritisierten sie und welche alternativen Gesellschaftsentwürfe entwickelten sie? Und wie lassen sich solche Zukunftsvorstellungen überhaupt historisch rekonstruieren und analysieren?
Italienischkenntnisse sind nicht erforderlich. Ein wesentlicher Teil der Lektüre wird auf Englisch sein.
Die reguläre Sitzung vom 5. Oktober findet nicht statt. Stattdessen besuchen wir am Dienstagnachmittag, 6. Oktober das Gosteli-Archiv.
- Enseignant·e: Leo Grob