Nicht nur in sprachlicher Hinsicht ist der Held eine Geburt der Vormoderne: Die heliđos begegnen zuerst im altsächsischen ‹Heliand› (um 830) und im althochdeutschen ‹Hildebrandslied› (um 840). Generell ist die vormoderne Literatur reich an heroischen Figuren, die sich «durch agonale, außeralltägliche, oftmals transgressive eigene Leistungen» auszeichnen (R. Hoff u.a. 2013, S. 8). In kulturhistorischer Hinsicht können mittelalterliche Helden und Heldinnen als «Kristallisationsfiguren» begriffen werden, die das Grundinventar auch heutiger Heldenkonzeptionen bereitstellen (vgl. F. Küenzlen u.a.2014, S. 9): Helden und Heldinnen brechen auf zur Heldenreise, zur mythischen Abenteuerfahrt, sie durchlaufen einen Initiationsprozess und kehren schliesslich zu ihrem Ausgangspunkt zurück. Häufig sind sie mit einem charakteristischen Makel versehen, der ihren prekären Status anzeigt. Die Vorlesung nimmt ihren Ausgang in dem Spannungsfeld von vormoderner Heldenkonzeption und moderner heroischer Retextualisierung. Anhand von ausgewählten fiktiven und realen Heldenfiguren wie Siegfried und Kriemhild, Parzival, Robin Hood, Jeanne d’Arc und anderen beschäftigen wir uns in transmedialer Perspektive mit der Frage, welche Rückschlüsse der Umgang mit Helden und Heldinnen auf die gesellschaftliche Struktur in unterschiedlichen Epochen erlaubt.
- Teacher: Robert Schöller