Das Verfassen längerer, kohärenter, monologischer Texte stellt hohe Anforderungen: Lernende müssen ihr sprachliches Repertoire ausbauen, sich mit den Konventionen verschiedener Schreibkulturen vertraut machen und komplexe Inhalte kognitiv strukturieren. In der Praxis werden bei Lernertexten immer wieder Schwierigkeiten beobachtet – etwa bei der Strukturierung der Texte und Argumentationslinien, der Umsetzung von Textfunktionen, der sprachlichen und grammatischen Gestaltung oder bei Kohärenz und Kohäsion. Lehrpersonen und Dozierende beklagen entsprechend Defizite in Lernertexten. Doch wie gut lassen sich solche Einschätzungen empirisch belegen?
Dieser Frage wird im SNF-Projekt QuaTexD nachgegangen (https://www.unifr.ch/germanistik/de/forschung/forschungsprojekte/quatexd.html). Im Seminar erarbeiten wir zunächst die theoretischen Grundlagen. Dazu gehören Konzepte der Textlinguistik, der Textqualität und der Textkompetenz. Wir machen uns mit korpuslinguistischen Forschungsmethoden vertraut. Wir wenden die Methoden anhand authentischer Lernertexte praktisch an und untersuchen, wie sich die Qualität von Texten linguistisch erfassen und beschreiben lässt.
Die Texte, aus denen das Textkorpus besteht, wurden vollständig ohne den Einsatz von KI-Modellen verfasst. Sie bilden damit eine geeignete Grundlage, um menschliche Schreibkompetenz linguistisch zu untersuchen. Neben den Texten liegen auch umfangreiche aussersprachliche Daten vor, die für die Analyse genutzt werden können.
Das Seminar bietet den Rahmen, eigene Forschungsfragen zu entwickeln. Studierende, die eine schriftliche Arbeit (und ggf. eine Masterarbeit) planen, können im Verlauf des Semesters ein eigenes Thema konkretisieren und dabei auf die bereits vorhandene umfangreiche Datenbasis zurückgreifen.
- Dozent/in: Regula Schmidlin