Unser Wortschatz wächst ständig – meistens nicht dadurch, dass völlig neue sprachliche Zeichen „erfunden“ werden, sondern indem bereits vorhandene Wortbausteine neu kombiniert und verändert werden. Die Vorlesung nimmt diese Prozesse genauer unter die Lupe: Wie lassen sich die Bausteine eines Wortes bestimmen? Welche Arten von Morphemen gibt es? Und nach welchen Regeln entstehen neue Wörter?
Im Mittelpunkt steht die Morphologie des Deutschen mit ihren beiden grossen Bereichen Flexion und Wortbildung, wobei der Fokus auf dem zweiten Bereich liegt. Thematisiert werden die verschiedenen, im Deutschen möglichen Wortbildungsverfahren. Punktuelle Sprachvergleiche sollen die Besonderheiten der deutschen Wortbildung – darunter die enorme Produktivität der Komposition – sichtbar machen. Es soll auch aufgezeigt werden, wie sich Morpheme im Lauf der Sprachgeschichte verändern und ihre grammatische Kategorie wechseln können. Schliesslich soll die stilistische Relevanz der deutschen Wortbildung thematisiert werden. Die Wortbildung ist nicht nur ein Mittel zur Erweiterung des Wortschatzes, sondern kann auch als Stilmittel eingesetzt werden. Gerade neue, zunächst ungewöhnliche Bildungen – sogenannte Okkasionalismen – haben hohes expressives Potenzial. Entsprechend wird in der Vorlesung der Expressivität der deutschen Wortbildung besondere Aufmerksamkeit zukommen.
- Enseignant·e: Regula Schmidlin