Der Antikommunismus entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem zentralen politischen und ideologischen Deutungsmuster. Die dadurch erzeugten Bedrohungs- und Feindbilder nährten Angst und Misstrauen, legitimierten Repression und Ausgrenzung, schufen Gemeinschaftssinn und Orientierung. In faschistischen, autoritären wie auch demokratischen Gesellschaften beeinflusste er politische Diskussionen, Kampagne und Strategien. Im Zeitalter des Kalten Krieges und der Dekolonisation avancierte der Antikommunismus zu einer globalen Integrationsideologie, deren Wirkung bis in die Gegenwart reicht.
Mit einem Schwerpunkt auf der Schweiz untersucht das Seminar, wie sich antikommunistisches Denken und Handeln in Staat, Politik und Kultur manifestierte. Im Zentrum stehen Akteur:innen, Organisationen und Publikationen, die als Träger und Multiplikatoren antikommunistischer Propaganda wirkten und vielfach in transnationale Netzwerke eingebunden waren. Dabei werden sowohl die ideologischen Grundlagen als auch die Praktiken, Kommunikationsformen und Wirkungen des Antikommunismus analysiert.
Literatur
Michel Caillat et al. (Hg.), Histoire(s) de l’anticommunisme en Suisse – Geschichte(n) des Antikommunismus in der Schweiz. Zürich 2009.
Christian Gerlach, Clemens Six (Hg.), The Palgrave Handbook of Anti-Communist Persecutions, Cham 2020.
Luc van Dongen, Stéphanie Roulin, Giles Scott-Smith, Giles (Hg.). Transnational Anti-Communism and the Cold War. Agents, Activities, and Networks, New York, 2014.
- Docente: Nicolas Blumenthal
- Docente: Damir Skenderovic