
Seit seinen Anfängen hat sich das philosophische Denken auf radikale Weise mit der Frage der Form auseinandergesetzt. Um diese Frage herum entfaltet sich in der Tat eine Konstellation von Begriffen in verschiedenen Sprachen – eidos, morphè, forma, figura, Gestalt –, die einen wesentlichen Teil unseres philosophischen Vokabulars ebenso wie unserer Alltagssprache ausmachen.
Die Frage der Form ist eine metaphysische Frage, die mit dem Verhältnis zur Materie, mit der Struktur der Wirklichkeit und mit unserer Möglichkeit, sie zu erkennen, zusammenhängt. Zugleich ist sie eine ethische Frage, die das Gleichgewicht zwischen Regelmäßigem und Unregelmäßigem, das Verhältnis von Norm und Ausnahme sowie die Idee eines wohlgeordneten Lebens betrifft. Vor allem aber stellt uns die Form vor ein ästhetisches Problem, das mit der Natur unserer sinnlichen Erfahrung und unserem Verhältnis zur Welt verbunden ist: Es geht nicht nur darum, daran zu erinnern, dass Form zunächst sinnliche Form ist und dass sich über die Frage der Form auch das Problem der Schönheit stellt; noch grundlegender ist unsere Erfahrung insgesamt durch die Wahrnehmung, Hervorbringung, Konzeption und Transformation von Formen strukturiert. Die Disziplin, die in den letzten hundert Jahren dieses Bewusstsein vielleicht am deutlichsten verkörpert hat, ist das Design, das aus dieser Perspektive zu einem entscheidenden Gesprächspartner des philosophischen Denkens wird.
Anhand eines anthologischen Parcours durch die Geschichte der Philosophie und der Künste wird dieses Seminar eine Einführung in das Problem der Form aus ästhetischer Perspektive anbieten, indem es eine Reihe klassischer begrifflicher Gegensatzpaare behandelt (Form/Materie, Form/Inhalt, Form/Funktion) und zeigt, weshalb die Frage der Form zentral ist, um ein angemessenes Verständnis der Gegenwart zu entwickeln.
- Dozent/in: Alessandro De Cesaris