Wir leben in einer Zeit visueller Überfülle: In sozialen Medien, Nachrichtenportalen und digitalen Plattformen werden wir täglich mit Bildern konfrontiert, die Wirklichkeit nicht nur abbilden, sondern auch aktiv konstruieren. Bilder prägen Wahrnehmungen, erzeugen Emotionen, stabilisieren Identitäten – und können zugleich manipulieren oder täuschen. Gerade im Kontext nationaler Identität entfalten visuelle Darstellungen eine besondere Wirkung, da sie das Image, die Reputation und politische Deutungen prägen.
Am Beispiel der Schweiz untersucht dieses Forschungsseminar, wie nationale Identität visuell konstruiert wird – sowohl in strategischer Selbstinszenierung (z. B. Public Diplomacy, Nation Branding oder Unternehmenskommunikation) als auch in desinformativen oder irreführenden Bilddarstellungen, etwa durch manipulierte, kontextverschobene oder KI-generierte Visualisierungen. Im Zentrum steht die Frage, wie konkurrierende visuelle Narrative entstehen und welche Rolle sie für Vertrauen, Legitimation und öffentliche Wahrnehmung spielen.
Die Studierenden entwickeln eigene Forschungsprojekte: Sie bauen ein systematisch dokumentiertes Bildkorpus auf, erstellen ein theoriegeleitetes Codebuch und führen eine qualitative visuelle Inhaltsanalyse durch. Dabei wenden sie zentrale Konzepte der visuellen Kommunikationsforschung an, etwa Visual Framing, Image- und Identitätskonstruktion sowie affektive Bildwirkung. Ziel ist es, visuelle Kommunikation als strategisches Instrument kritisch zu analysieren und empirisch zu erforschen.
- Dozent/in: Josef Manfred Demling
- Dozent/in: Diana Ingenhoff
- Dozent/in: Viktoria Sommermann