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Bettelmensch, katholisch Mensch, schwindsüchtiges Weibsbild, Sauhund – Dies sind nur vier von vierzig Schimpfnamen, die der von Halluzinationen geplagten und sich in psychiatrischer Behandlung befindlichen Babetta B. (*1848) nicht mehr aus dem Kopf gehen und die sie deshalb auf einer Liste notiert. Ein derartiger Text einer verarmten Näherin und Aussenseiterin der damaligen Gesellschaft war von keinem Interesse für die traditionelle Sprachgeschichtsschreibung, die auf gebildete, männliche Schreiber fokussierte und mit deren formellen, gedruckten Texten die Herausbildung der Standard- und Schriftsprache nachzeichnete. Die Vorlesung nimmt dagegen einen Blickwinkel ‚von unten‘ ein und zeigt das sprachhistorische Potential alternativer Quellen auf, seien es althochdeutsche Griffelglossen, frühneuhochdeutsche Schmählieder, Auswanderer-, Soldaten- und Patientenbriefe des 19. Jahrhunderts oder Sprachmischungen des Bolz aus der Freiburger Unterstadt.

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