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Viele Forscher*innen betrachten Gewalt als eine Form sozialer Interaktion. Machtausübung und Gewalt sind dabei eng verbunden. Sie sind Teil menschlicher Gesellschaften. Dabei spielen Absichten und Ziele verschiedener Akteur*innen auf unterschiedlichen Ebenen eine wichtige Rolle und können zueinander in dialektische Verhältnisse treten. Welchen Einfluss hatten internationale Mächte auf lokale Konflikte in Südosteuropa? Und was trieb sie an? In dieser Mastervorlesung werde ich aufzeigen, dass wir Südosteuropa nicht als „am Rande Europas”, sondern eher als Schlüsselregion mit einer Scharnier- oder Passagenfunktion betrachten sollten. Dass diese Sichtweise, trotz oft gegenteiliger offizieller Rhetorik, auch die jeweiligen Grossmächte des 19. und 20. Jahrhunderts teilten, lässt sich anhand zahlreicher Quellen nachweisen. In dieser veränderten Sichtweise auf Südosteuropa, sollen die in dieser Vorlesung vorgestellten Kriege und Konflikte von 1875 bis 2008 als Teil des europäischen und globalen Gewaltgeschehens eingeordnet und verstanden werden. Sie geschahen weder isoliert noch als Produkt genuinen Gewalthandels, sondern waren eingebettet in die jeweiligen Agenden unterschiedlicher Akteur*innen auf einer Makro-, Meso- und Mikroebene. Grossmächte, regionale Nationalstaaten und lokale Eliten hatten ihre eigenen Interessen an einer Ausdehnung ihrer Macht, sei es in politischer und/oder ökonomischer Hinsicht, in dieser geostrategisch wichtigen Region. So gesehen liegen Südosteuropa und die hier näher vorgestellten Regionen in und um Kosovo, Sandžak und Nordmazedonien nicht am Rande Europas, sondern bilden einer seiner Dreh- und Angelpunkte.

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