
Während der sogenannten spanischen Eroberung Amerikas wurde im Disput von Valladolid (1550/51) über eine Frage mit weitreichenden Konsequenzen debattiert: Soll die indigene Bevölkerung Amerikas versklavt oder als vernunftbegabte, freie Menschen christianisiert werden? Vor einer Kommission der spanischen Krone rechtfertigte Juan Ginés de Sepúlveda ihre Unterwerfung mit der aristotelischen Lehre der natürlichen Sklaverei. Bartolomé de las Casas hingegen trat entschieden für ihre Menschenwürde ein. Las Casas’ Plädoyer für eine gewaltfreie Evangelisierung und gegen die Gräuel der Conquista macht ihn zu einem der frühesten Kritiker innerhalb des kolonialen Systems. Zugleich beförderten seine Argumente, dass stattdessen versklavte Menschen aus Schwarzafrika zur Sklavenarbeit in die Amerikas gebracht wurden.
Das Seminar fragt, welche Handlungsspielräume und Perspektiven die Debatte für die indigene Bevölkerung eröffnete oder verschloss, und inwiefern Las Casas’ Position die eurozentrische Logik der Kolonialherrschaft zugleich herausforderte und reproduzierte. Ziel ist es, ein differenziertes Verständnis für das Zusammenspiel von Mission, Kolonialismus, Sklaverei und Menschenrechte sowie dessen bis heute spürbare Tragweite zu entwickeln.
- Enseignant·e: Vitus Huber
- Enseignant·e: Cassandre Volery