
Mit Blick auf die russische Invasion in der Ukraine, der israelischen Besetzung in Gaza oder den Krieg im Iran ist die Frage nach der Rechtmässigkeit von Eroberungen heute wieder sehr aktuell. Das Proseminar untersucht, mit welchen Argumenten frühneuzeitliche Mächte – allen voran Spanien und Portugal – ihre Expansion in Amerika, Afrika und Asien legitimierten. Im Mittelpunkt stehen die zentralen Legitimationsstrategien der Epoche: der päpstliche Missionsauftrag, die Lehre des gerechten Krieges (bellum iustum), das Naturrecht sowie die Idee der „Zivilisierungsmission“. Anhand von Quellen wie päpstlichen Bullen, juridischen Traktaten und Chroniken wird analysiert, wie Herrschaftsansprüche begründet, angefochten und verhandelt wurden. Dabei werden auch Gegenstimmen berücksichtigt – etwa jene von Bartolomé de las Casas, Francisco de Vitoria oder mithin von aussereuropäischen Kritikern wie Guaman Poma –, die zeigen, dass Legitimation stets kontrovers war. Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie juristische und moralische Sprache zur Rechtfertigung von Gewalt eingesetzt wurde und welche historischen Muster sich darin erkennen lassen.
- Enseignant·e: Vitus Huber
- Enseignant·e: Cassandre Volery