Wie wird Behinderung in literarischen Texten erzählt? Und wer spricht dabei für wen? Das Seminar führt in die Literary Disability Studies ein, ein international etabliertes, in der deutschsprachigen Literaturwissenschaft noch junges Forschungsfeld. Ausgehend von theoretischen Grundlagentexten untersuchen wir literarische Darstellungen von Behinderung, Krankheit und verkörperter Differenz vom 19. Jahrhundert über die Literatur der Weimarer Republik bis in die Gegenwart. Einen Schwerpunkt bildet die literarische Auseinandersetzung mit der NS-‚Euthanasie‘ in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Im Zentrum stehen Fragen der Repräsentation und der Repräsentationsethik: nach welchen narrativen Mustern Behinderung erzählt wird, wie sich Selbst- und Fremddarstellung unterscheiden und welche ethischen Probleme das Sprechen über und für andere aufwirft. Ein abschliessender Block widmet sich didaktischen Perspektiven: Wie lassen sich die behandelten Texte im Deutschunterricht erschliessen, und welchen Beitrag kann Literatur zu einer inklusiven Bildung leisten? Ein Teil der Forschungsliteratur ist englischsprachig.