Die Digitalisierung des Gesundheitswesens und insbesondere der Trend, individuelle gesundheitsrelevante Daten aufzuzeichnen und weiterzugeben, bringt eine Vielzahl von Risiken und Chancen mit sich. Viele dieser Aspekte, die heute bereits von gesellschaftlicher Bedeutung sind, bringen ethische Herausforderungen und Probleme mit sich. Big Data im Gesundheitswesen kann zu einer massiven Verbesserung der Versorgungssituation führen, im Rahmen der Personalisierten Medizin auch zu wesentlichen Verbesserungen therapeutischer Möglichkeiten; gleichzeitig stellt der Umgang mit privaten Daten sowie neue Erkenntnisse über Korrelationen und Kausalitäten auch vor neue Probleme, beispielsweise durch die Gefährdung der Privatsphäre oder die Diskriminierung einzelner Bevölkerungsgruppen. Im Seminar geht es darum, anhand einschlägiger Texte und an einzelnen Beispielen zu erkunden, welche ethischen Herausforderungen mit diesen neuen Entwicklungen verbunden sind und wie diese aus individual- und sozialethischer Perspektive einzuordnen sind.


Die Sorge, das eigene Leben einmal gut zu beenden, treibt heute viele Menschen um. Patientenverfügungen, die rechtzeitige Planung des eigenen Sterbens (auch im Deutschen als Advance Care Planning bezeichnet), ehrenamtliches Engagement für Hospiz- und Palliative Care-Bewegung, die Normalisierung der Suizidhilfe in der Schweiz – das alles sind Anzeichen für ein zunehmendes Interesse für die letzte Lebensphase. Das Sterben soll nicht mehr unter allen Umständen verhindert, sondern kontrolliert werden, Selbstbestimmung und eine hohe Lebensqualität bis zuletzt sind dabei wichtige Orientierungspunkte. Während die Diskurse über das gute Sterben lange von den christlichen Kirchen geprägt wurden, werden heute unter dem Begriff der «Spiritual Care» auch andere Antworten auf Sinnfragen gegeben. Die damit verbundenen Entwicklungen, Suchprozesse und ethischen Herausforderungen werden in der Vorlesung aus theologisch-ethischer Sicht dargelegt, analysiert und diskutiert.


Die Vorlesungen «Fundamentalmoral I» (HS 2018) und «Fundamentalmoral II» (FS 2019) bieten eine Einführung in die Theologische Ethik für Theologiestudierende des Bachelorstudiums. Das Lektüreseminar «Texte zur Theologischen Ethik» (HS 2018) wird ergänzend dazu angeboten und bietet die Möglichkeit, einzelne Aspekte der Vorlesung zu besprechen und anhand der «Grundfragen theologischer Ethik» des Würzburger Moraltheologen Stephan Ernst zu vertiefen.

In der Bezeichnung «Theologische Ethik» kommt die inhaltliche Konzentration des Faches auf die Ethik zum Ausdruck; theologisch bestimmt ist dabei die Perspektive, in der über Moral nachgedacht und Ethik begründet wird. Der häufig verwendete Begriff «Moraltheologie» versteht das Fach hingegen stärker im Sinne einer theologischen Teildisziplin und fokussiert entsprechend auf die Abgrenzung zu anderen theologischen Disziplinen. 

Im Anschluss an eine Einführung in die Begriffs- und Denkwelt der Theologischen Ethik werden wichtige Elemente der Theologischen Ethik aus zeitgeschichtlicher Perspektive erörtert. Ausgehend von der naturrechtlichen oder seinsethischen Tradition, welche die Fundamentalmoral vor dem zweiten Vaticanum massgeblich prägte, bilden wesentliche Einschnitte das Vaticanum II, die nachkonziliaren Orientierungsversuche beispielsweise im Entwurf der «Autonomen Moral» von Alfons Auer oder der «Fundamentalmoral» von Franz Böckle, die Kritik der Suchprozesse durch das Lehramt in der Enzyklika «Veritatis Splendor» und die schliesslich neuere Suchprozesse, die bis heute die Theologische Ethik in katholischer und teilweise auch ökumenischer Sichtweise kennzeichnen.

Im Anschluss an die Fragen der Ethik- und Normenbegründung geht es sodann um Fragen der Umsetzbar- oder Realisierbarkeit des als richtig und gut Erkannten. Die menschliche Handlungsfreiheit, Beschränkung durch Schuld und Sünde, moralpsychologische Modelle der moralischen Entwicklung und Umgang mit Ideal und Wirklichkeit sind dabei zentrale Themen. 

 

Der christliche Glaube ist von Hoffnung und von der Zusage der Liebe Gottes geprägt. Der moralische Anspruch an das eigene Handeln ist dabei zwar nicht wegzudenken, bildet aber nicht das letzte Wort des Glaubens. Mit Dietmar Mieth formuliert: Nicht die Moralfähigkeit ist die Spitze unseres Menschseins, sondern unsere Heilsbedürftigkeit.

Die Vorlesung «Fundamentalmoral II» schliesst inhaltlich an die Vorlesung «Fundamental­moral I» (HS 2018) an. Sie bietet eine Einführung in die Theologische Ethik für Theologiestudierende des Bachelorstudiums. Im FS 2019 wird eine der drei Wochenstunden als Lektüreseminar gehalten, um einzelne Aspekte der Vorlesung besprechen und anhand des Buchs «Grundfragen theologischer Ethik» von Stephan Ernst vertiefen zu können.

Im HS 2018 wurden im Anschluss an eine Einführung in die Begriffs- und Denkwelt der Theologischen Ethik wichtige Elemente der Theologischen Ethik aus zeitgeschichtlicher Perspektive vorgestellt und erörtert. Ausgehend von der naturrechtlichen oder seinsethischen Tradition, welche die Fundamentalmoral vor dem zweiten Vaticanum massgeblich prägte, wurden als wesentliche Einschnitte das Vaticanum II (mit «Gaudium et spes»), die nachkonziliaren Orientierungsversuche beispielsweise im Entwurf der «Autonomen Moral» von Alfons Auer sowie die Kritik dieser Suchprozesse durch das Lehramt in der Enzyklika «Veritatis Splendor» thematisiert. 

Unmittelbar daran anknüpfend werden im FS 2019 einige Neuansätze vorgestellt und diskutiert, die während der letzten Jahre vorgelegt wurden, darunter so unterschiedliche Konzepte wie der tugendethisch begründete Entwurf einer theologischen Ethik von Eberhard Schockenhoff, daneben Kritik und Weiterführung nachkonziliarer Moralansätze bei Christoph Mandry, Stephan Goertz, Josef Römelt, Benedikt Schmid und Michael Rosenberger u.a. Wie auch ein Blick auf protestantische Neuansätze zeigen wird, ist die Situation der katholischen Theologischen Ethik nach wie vor von Denkbewegungen zwischen Re-Konfessionalisierung bzw. Rückorientierung an der eigenen Tradition einerseits und der Suche nach postkonfessionellen, allgemein-christlichen Ansätzen andererseits geprägt.


«Die Renovierungsarbeiten am Gebäude der Moraltheologie nehmen offensichtlich kein En-de.» Mit dieser Aussage von Franz Böckle aus dem Jahr 1977 eröffnet der Würzburger Moraltheologe sein Lehrbuch zu den Grundfragen der theologischen Ethik. Er ergänzt: An dieser Situation, die Franz Böckle für die nachkonziliäre Situation beschrieben hat, habe sich auch dreissig Jahre später nichts geändert. Die christliche Moraltheologie ist nach wie vor im Umbau begriffen, wobei die gegenwärtige Situation geprägt ist von der Spannung zwischen der Verpflichtung gegenüber der biblischen und kirchlichen Tradition einerseits und der modernen Gesellschaft andererseits. Stephan Ernst klärt in seinem Lehrbuch grundlegende Fragen und versucht einen Brückenschlag zwischen Tradition und Gegenwart. 

 Im Lektüreseminar befassen wir uns mit seinen Ausführungen im ersten Buchteil, in welchem der Autor der erkenntnistheoretischen Frage nachgeht, wie sich heute ethisch gutes und schlechtes Handeln identifizieren lässt: Ist Orientierung möglich am Willen Gottes, an der Bibel, am eigenen Gewissen, am natürlichen Sittengesetz, an der autonomen Vernunft, an der Verhältnismäßigkeit der Mittel? – Das Lektüreseminar wird in Ergänzung zur Hauptvorlesung Fundamentalmoral I angeboten.


Les deux principes de solidarité et de subsidiarité ont été abondamment développés par l'enseignement social de l'Eglise (ESE). Nous montrerons leur origine dans la tradition théologique bien antérieurement à leur apparition formelle dans l'ESE. Nous essayerons surtout de dégager toute leur richesse anthropologique et théologique pour la réflexion sur les conditions d'une communauté humaine. Le cours tentera de mettre en lien ces éléments théoriques avec des situations concrètes où l'éthique sociale est interpellée.

Cours principal de théologie morale sur les vertus cardinales et théologales: ce semestre, la vertu de justice