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  TUTTI

B

Beteiligung der Studierenden

Es ist in der Lehr-/Lernforschung allgemein anerkannt, dass die aktive Beteiligung der Studierenden am Lerngeschehen den Lernprozess massgeblich fördert.
Hier finden Sie einige Anregungen, wie Sie Studierende in verschiedenen Veranstaltungstypen zu aktiver Mitarbeit bewegen können. Mit folgenden didaktischen Mitteln fördern Sie die Beteiligung aller Studentinnen und Studenten in Ihren Lehrveranstaltungen, unabhängig vom Geschlecht: 
  • Anknüpfen an die Erfahrung der Studierenden
  • Aktivieren des Vorwissens der Studierenden
  • Aufgaben in Kleingruppen lösen lassen (vgl. Gruppenlernen)
  • Standortbestimmungen zum Gelernten vornehmen lassen
Wie lässt sich Beteiligung fördern?
Es gibt eine Vielfalt von aktivierenden Methoden, die Sie auch in grossen Vorlesungen anwenden können. Beispielsweise können Sie den Studierenden 3 bis 5 Minuten für eine kleine Aufgabe geben (kurze Reflexion, Frage, Vergleich, Assoziation, etc.). Sie können die Studierenden auch auffordern, eine Frage zu zweit oder zu dritt zu besprechen oder sich über ihre individuellen Erfahrungen auszutauschen.
Beispiele für aktivierende Unterrichtsmethoden:
  • Brainstorming zur Sammlung von Ideen
  • Blitzlicht zum Einholen eines Feedbacks
  • Fragen zum Stoff aufschreiben und in Gruppen diskutieren lassen
  • Argumente für oder gegen einen Sachverhalt sammeln lassen
  • Über verschiedene mögliche Antworten zu einer Frage abstimmen lassen

Hier finden Sie weitere Anregungen zu aktivierenden Methoden: https://www3.unifr.ch/didactic/de/assets/public/Ressources/ABC_All/ABC_Teilnahme_der_Studierenden.pdf

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D

Diversität

Generell wird mit dem Begriff «Diversität» auf das Moment der Vielfalt verwiesen. Der Begriff hat allerdings – je nach Disziplin und Kontext – wechselnde Bezüge.

Vielfalt innerhalb der Geschlechtergruppen: Die sozialen Gruppen der Frauen und der Männer sind keineswegs homogen, sie stehen vielmehr im Zeichen der Vielfalt. Der Versuch, bezüglich bestimmter Eigenschaften oder Verhaltensweisen empirische Unterschiede zwischen den Genusgruppen zu eruieren, ist insofern problematisch, als dass dabei zwei Geschlechterkategorien vorausgesetzt und die Effekte von geschlechtsspezifischer Sozialisation und Geschlechterstereotypen gemessen werden. Tatsächlich sind die Unterschiede innerhalb der Genusgruppen grösser als die Unterschiede zwischen den Mittelwerten der beiden Gruppen.

Vielfalt durch Verknüpfung von Geschlecht mit anderen Dimensionen: In den Gender Studies ist heute allgemein anerkannt, dass Lebenslagen und Erfahrungen von Frauen und Männern nicht nur durch die Dimension Geschlecht bestimmt werden. Unter dem Stichwort «Intersektionalität» wird die Verschränkung von Gender mit anderen Dimensionen sozialer Ungleichheit – insbesondere soziale Klasse, 'Rasse', kulturelle Herkunft oder sexuelle Orientierung – in den Blick genommen und theoretisch reflektiert. 

Vielfalt durch Entgrenzung von Geschlecht: Die Kritik an der binären Verfassung der Kategorie Geschlecht hat auch die Grenzen des Geschlechts selber (und damit jene der Genusgruppen) in Frage gestellt. Mit den Positionen der LGBTI ist die Vielfalt der Geschlechter und der sexuellen Orientierungen gesellschaftlich sichtbar geworden.

Vielfalt in der Pädagogik: Im pädagogischen Kontext wird Vielfalt oft unter dem Stichwort «Heterogenität» diskutiert. Diese wird sehr breit gefasst und umfasst das ganze Spektrum von unterschiedlichen Voraussetzungen, die Schülerinnen und Schüler, bzw. Studierende in die Lehr-/Lernsituation einbringen. Darunter fallen also auch Sprachunterschiede, Unterschiede im Vorwissen und in den Vorerfahrungen, verschiedene Lernstile oder Lerntempi, Unterschiede im Interesse und in der Motivation, etc.

In der Hochschullehre gilt es also, sich die Vielfalt der Studierenden vor Augen zu halten. Eine Studentin aus einer akademischen Herkunftsfamilie bringt andere Voraussetzungen, Motivationen und Interessen in den Lernprozess ein als eine Studentin oder ein Student aus einem bildungsfernen Milieu. Ein Student aus einem Schweizer Arbeitermilieu wiederum bringt andere Voraussetzungen, Motivationen und Interessen mit als eine Studentin mit Migrationshintergrund. Wenn Sie in der Lehre die Vielfalt der Studierenden berücksichtigen, tragen Sie auch dazu bei, Geschlechterstereotype zu hinterfragen und das Bild von Frauen und Männern als homogene Gruppen aufzulösen. Zur Verbindung von Gender- und Diversity-Aspekten in der Hochschuldidaktik gibt das schmale Bändchen von Czollek & Perko (2008) eine theoretisch angeleitete und praxisbezogene Einführung.

Auf der institutionellen Ebene verlangt die Berücksichtigung der Diversität von Studierenden und Mitarbeitenden entsprechende Strategien des Diversity Management.

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Diversity Management

Immer häufiger entwickeln Organisationen der Arbeitswelt – Bildungsinstitutionen, Unternehmen, u.a. – spezifische Diversity-Strategien im Umgang mit der Vielfalt ihrer Mitarbeitenden oder Studierenden. Diversity Management zielt zum einen auf die Anerkennung von Differenzen – der Herkunft, der Erfahrung, des Alters, etc. – unter den Mitarbeitenden oder Studierenden ab und nicht zuletzt auch auf die Nutzung dieses Potentials. Gerade in Unternehmen, aber auch in der Forschung, wird der Mehrwert hervorgehoben, der sich durch die Vielfalt von Erfahrungen und Perspektiven in einer Organisation oder in einem Team ergibt.
Zum anderen ist Diversity Management auf die Chancengleichheit von Studierenden oder Mitarbeitenden ausgerichtet und kämpft gegen jede Art von Diskriminierung in der Organisation. Neben der Dimension Geschlecht werden dabei weitere Dimensionen sozialer Ungleichheit in den Blick genommen und bearbeitet, insbesondere soziale und kulturelle Herkunft, sexuelle Orientierung, Behinderung oder Alter. Das Ziel von Diversity Management ist also, Personen vor Benachteiligung und Diskriminierung aufgrund dieser Unterscheidungsmerkmale zu schützen und Chancengleichheit, bzw. Gleichstellung zu gewährleisten.
In den letzten Jahren haben die Schweizer Hochschulen ihre Politik zur Gleichstellung der Geschlechter um Strategien des Diversity Management erweitert.

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Doing gender

Wie geht nun die Produktion von Geschlechterungleichheiten im Alltag vonstatten? Das Konzept des «Doing gender» hat sich in diesem Zusammenhang als hilfreich erwiesen. Es bezeichnet das (unbewusste) Herstellen von Geschlecht in alltäglichen Handlungen und Interaktionen. In alltäglichen Interaktionen ordnen wir Personen, mit denen wir zu tun haben, unentwegt und ohne daran zu denken jeweils einer von zwei Geschlechterkategorien zu; gleichzeitig stellen wir unsere eigene Geschlechterkategorie als Frau oder Mann dar, was im Normalfall von unserem Gegenüber auch so wahrgenommen und bestätigt wird. Wie selbstverständlich dieser Mechanismus ist, zeigt sich an der Irritation, die ausgelöst wird, wenn diese Zuordnung nicht eindeutig vorgenommen werden kann, zum Beispiel wenn die äussere Erscheinung einer Person mit ihrer Stimmlage nicht übereinstimmt.
Dieses Prinzip bipolarer Kategorisierung ist Teil des Gender-Systems und bleibt in unserer Alltagspraxis in den meisten Fällen unbewusst. Diese Kategorisierung reduziert massgeblich die Komplexität der uns umgebenden Realität. Allerdings ist die Einteilung in die Kategorie «Mann» oder «Frau» folgenschwer, denn sie ist in der Regel mit der Zuordnung von sozialem Status und von spezifischen Erwartungen im Hinblick auf die angemessenen Eigenschaften und Verhaltensweisen der Individuen verbunden. Dies verweist auf die Bedeutung von Geschlechterstereotypen.

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E

Expliziter Ansatz

Sie haben grundsätzlich zwei Handlungsoptionen, wenn Sie Ihre Lehre geschlechtergerecht gestalten wollen, den impliziten und den expliziten Ansatz (vgl. Dehler & Gilbert 2010). 
Mit dem expliziten Ansatz verfolgen Sie das Ziel, die Studierenden ausdrücklich mit den verschiedenen Facetten von Gender in ihrem Fachbereich vertraut zu machen. Der Erwerb von Genderkompetenz durch die Studierenden ist in Ihrer Veranstaltung oder im Curriculum als Lernziel deklariert. Der explizite Ansatz erfordert ein für alle gleichermassen förderliches Lernumfeld (vgl. impliziter Ansatz), er geht aber noch einen wesentlichen Schritt weiter.
Wenn Sie sich für den expliziten Ansatz entscheiden, beinhaltet dies folgende Aspekte:

  • Sie integrieren auf Gender bezogene Fragestellungen und Inhalte in Ihre Lehre und sensibilisieren damit die Studierenden für soziale Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in Ihrem Fachbereich.
  • Wenn Sie Genderfragen mit Ihren Studierenden zum Thema machen, wirken Sie darauf hin, deren Geschlechterstereotype zu hinterfragen und der Auseinandersetzung zugänglich zu machen, um sie aufzuweichen und aufzulösen.
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F

Fachinhalte – Integration der Genderdimension

Hier finden Sie Beispiele für Fragen, mit denen Sie Ihre Studierenden für die Geschlechterdimension in verschiedenen Disziplinen sensibilisieren können:

  • An welchen Personen wird ein neues Medikament getestet? Welche Auswirkungen hat dies für Frauen, Männer, Kinder?
  • Welche Gruppen profitieren von der Entwicklung der Forschung in einem bestimmten Bereich? Wer hat Zugang zu den Behandlungen oder Ergebnissen?
  • Positionieren sich Männer und Frauen in Bezug auf die Theorie des Monetarismus, die Hegelsche Dialektik oder die Theorie des Sozialkonstruktivismus unterschiedlich?
  • Wie wirkt sich die Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern auf deren Karriereentscheidungen aus?
  • Wurde die neue technische Ausrüstung mit Nutzern und Nutzerinnen entwickelt und getestet?
  • Welche Auswirkungen hat das Arbeitszeitgesetz auf die Lebensrealität von Frauen und Männern?
Hier finden Sie weiterführende Ressourcen.

Fachinhalte – Weiterführende Ressourcen

Um sich mit den Inhalten der Geschlechterforschung vertraut zu machen:
In deutscher Sprache gibt das «Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung» einen sehr guten Überblick über theoretische Ansätze und Debatten der Geschlechterforschung wie auch über den Forschungsstand zu einzelnen thematischen Feldern (Becker & Kortendiek 2010). Das kürzlich erschienene «Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung» bietet einen umfangreichen Überblick über die Debatten und den aktuellen Stand der Geschlechterforschung und beleuchtet insbesondere auch disziplinspezifische und internationale Entwicklungen (Kortendiek et al. 2019).

In französischer Sprache bieten die von Margaret Maruani herausgegebenen Sammelbände eine Bestandesaufnahme zu Geschlechterfragen in den Sozialwissenschaften (Maruani 2005) sowie eine globale Perspektive auf das Thema Geschlecht und Arbeit (Maruani 2013). Für die Politikwissenschaften stellt das « Dictionnaire. Genre et science politique » von Achin & Bereni (2013) ein umfangreiches Nachschlagewerk dar. Die von Rennes (2016) herausgegebene « Encyclopédie critique du genre » behandelt eine Vielzahl von Themen aus dem Blickwinkel von Körper und Sexualitäten. Schliesslich geben Chabaud-Rychter & Gardey (2002) eine Einführung in das weite Feld der Forschung zu Technik und Geschlecht.

Um die Gender-Dimension in die Lehre einzelner Fächer zu integrieren:
Im Handbuch von Kergel & Heidkamp (2019) finden sich fachspezifische Beiträge zur Reflexion von Gender und Diversity in der Praxis der Hochschullehre. Im Handbuch von Kampshoff & Wiepke (2012) werden Perspektiven der Geschlechterforschung in die Fachdidaktiken einzelner Schulfächer eingebracht. Bath et al. (2017) entwickeln Vorschläge für die Integration von Gender in die Lehre der Ingenieurwissenschaften und stellen konkrete Projekte vor. 

Um die Gender-Dimension in die Studiengänge zu integrieren:
Auf der Website vom «Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW» finden Sie Vorschläge zur Integration von Genderaspekten in die Curricula von über 50 Studienfächern:
http://www.gender-curricula.com/
Im parallel dazu publizierten Handbuch, das auch online verfügbar ist, werden die Prinzipien der Integration von Gender in Bachelor und Master Studiengänge dargelegt und die konkreten Vorschläge für die einzelnen Studienfächer aufgegriffen (cf. Hilgemann, Kortendiek & Knauf 2012).

Um die Gender-Dimension in Naturwissenschaft, Technik und Medizin zu integrieren:
Im Rahmen des internationalen Projektes «Gendered innovations», einer Zusammenarbeit der Universität Stanford und der Europäischen Kommission, wurden Fallstudien entwickelt, die anhand konkreter Beispiele darlegen, wie die Genderdimension in naturwissenschaftliche, technische oder medizinische Forschung integriert werden kann:
http://genderedinnovations.stanford.edu/
Diese Fallstudien eignen sich besonders gut für die Arbeit mit Studierenden. Sie sind zudem in einer Publikation verfügbar, die heruntergeladen werden kann (vgl. European Commission 2013).
Zur Integration von Gender in die Ingenieurwissenschaften und die Informatik, sei nochmals auf das Handbuch von Bath et al. (2017) hingewiesen, sowie auf Schwarze et al. (2008) und auf den Sammelband von Chabaud-Rychter & Gardey (2002).

Insbesondere für Studiengänge der Medizin und der Pflege:
Zur Integration von Gender als Querschnittsthema im Medizinstudium, vgl. die Studie von Verdonk (2007). Für die Schweiz diskutiert die Studie von Fussinger (2011) die Integration von Gender in die medizinische Ausbildung. Zur Integration von Gender in die Studiengänge der Pflege, vgl. beispielsweise Brennan et al. (2012).
Folgende kanadische Website bietet Online-Module an:  http://genderandhealth.ca

Insbesondere für Fachhochschulstudiengänge:
An der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW wurden mehrere Projekte zur Integration von Genderaspekten in Fachhochschulstudiengänge durchgeführt, insbesondere auch in technische Studiengänge (Weiss Sampietro & Ramsauer 2008 ; Weiss Sampietro et al. 2010).

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Fachkultur

Der Begriff Fachkultur bezeichnet die in einem Fach selbstverständlich geltenden Normen, Standards und Codes, die sich im Laufe der Geschichte des Faches etabliert haben und die der Praxis der Mitglieder der Fachgemeinschaft zugrunde liegen. Die Codes der Fachkultur beziehen sich sowohl auf inhaltliche und methodische Aspekte des Faches als auch auf die kommunikativen Praktiken im Fach. Mit dem Erlernen und Inkorporieren der verschiedenen Aspekte der Fachkultur durch die Studierenden wird deren fachliche Identität aufgebaut.
Tatsächlich lernen die Studierenden während der Sozialisation in ein Studienfach nicht nur dessen Inhalte, Theorien, Methoden und Forschungsergebnisse kennen, sondern sie verinnerlichen auch die fachspezifischen Normen, Werte und Verhaltensweisen. Dies erfolgt meist nicht explizit, sondern gleichsam nebenbei im Kontakt mit Fachvertretern und Fachvertreterinnen, sowie über die fachlichen Anforderungen und informellen sozialen Erwartungen, die den Studierenden vermittelt werden.
Die historisch gewachsenen Fachkulturen sind in Bezug auf Geschlecht meist nicht neutral. Vielmehr können geschlechtsspezifische Aspekte in der Praxis und im Selbstverständnis der einzelnen Fachgemeinschaften eingelagert sein. Sie verweisen implizit auf Aspekte von Praxis und Identität, die männlich oder weiblich konnotiert sind, und könnnen daher gegenüber dem jeweils anderen Geschlecht ausschliessende Effekte entfalten.

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G

Gender

Das Konzept
«Gender» bezeichnet ein theoretisches Konzept, das die gesellschaftlichen Verhältnisse zwischen Frauen und Männern zum Gegenstand hat. Die Gender Studies haben gezeigt, dass Geschlecht als soziale und kulturelle Konstruktion begriffen werden muss. Der konstruierte Charakter von Geschlecht wird offensichtlich, wenn wir uns vergegenwärtigen, wie sehr sich die Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit sowie die sozialen Rollen, die Frauen und Männern zugewiesen werden, nach Kultur unterscheiden – es gibt auch Kulturen, die mehr als zwei Geschlechter kennen. Die historische Forschung zeigt zudem, dass sich die Vorstellungen von Geschlecht auch in der westlichen Kultur im Lauf der Zeit stark gewandelt haben und laufend Veränderungen unterworfen sind.
Es gibt also keine feste Definition des «Männlichen» oder des «Weiblichen». Über die binäre Zuordnung zu zwei sich gegenseitig ausschliessenden, komplementären biologischen Kategorien («männlich» oder «weiblich»), kommen uns die Geschlechterkategorien dennoch als quasi natürlich entgegen. Dies ist Teil der Funktionsweise von Geschlecht. Tatsächlich sind es aber gesellschaftliche Differenzierungs- und Hierarchisierungsprozesse, die den Individuen ihren sozialen Platz entlang der Geschlechterkategorien zuweisen. Diese gesellschaftlichen Prozesse zu analysieren und zu hinterfragen ist Gegenstand der Gender Studies.
Die Gender Studies nehmen aber auch Differenzierungen innerhalb der Geschlechterkategorien in den Blick, z. B. bei der Analyse verschiedener Formen von Männlichkeit. Das verweist zunächst auf die Vielfalt innerhalb der Genusgruppen. Tatsächlich bilden weder Frauen noch Männer eine homogene Gruppe. Vielmehr ist die Geschlechterdimension mit anderen Achsen der Ungleichheit verwoben, wie soziale Klasse, 'Rasse', kulturelle Herkunft, Alter oder sexuelle Orientierung. Das Konzept der Intersektionalität analysiert die Verschränkung von Gender mit anderen Dimensionen sozialer Ungleichheit.

Darüber hinaus wird das System der binären Kategorisierung selber unter die Lupe genommen. Tatsächlich ist die Zuordnung eines Menschen zu einer von zwei biologischen Geschlechterkategorien keineswegs immer eindeutig. Die entsprechenden medizinischen Praxen zeigen vielmehr, dass auch das biologische Geschlecht als Gegenstand eines sozialen Konstruktionsprozesses zu verstehen ist. Schliesslich ist die binäre Geschlechterkategorisierung eng mit der Norm der Heterosexualität verbunden. Im Anschluss an die «Gay and Lesbian Studies» wird im Rahmen der «Queer-Theory» die Vielfalt von sexuellen Orientierungen und Geschlechterpositionen thematisiert, die das binäre System von Geschlecht in Frage stellen. Das angelsächsische Kürzel LGBTI verweist auf diese vielfältigen Positionen zu Geschlecht und Sexualität, die in westlichen Gesellschaften heute zur sozialen Realität gehören. Eine ausführliche Einführung in das Gender-Konzept findet sich bei Wetterer (2010) sowie bei Hark (2010).

Drei Ansatzpunkte
Die theoretischen Ansätze im Bereich der Gender Studies sind vielfältig und können hier nicht im Einzelnen behandelt werden. Trotzdem lassen sich in Bezug auf die Analyse von Gender grob drei Ansatzpunkte unterscheiden. Der erste Ansatzpunkt bezieht sich auf die symbolische Ordnung von Gesellschaften, also auf die Bedeutung, die dem «Weiblichen» und dem «Männlichen» in den kulturellen Vorstellungen und in den Wissensbeständen einer Gesellschaft zukommt. Der zweite Ansatzpunkt greift die ökonomischen und sozialen Verhältnisse zwischen Frauen und Männern in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen auf und interessiert sich für deren Struktur. Der dritte Ansatzpunkt schliesslich richtet den Blick auf die Interaktionen zwischen Männern und Frauen im Alltag und interessiert sich für die Mechanismen der Reproduktion von Ungleichheit. Zwischen diesen drei Analyse-Ebenen bestehen selbstverständlich wechselseitige Bezüge. 
In Bezug auf die Analyse von Ungleichheit zwischen den Geschlechtern an Hochschulen sind insbesondere folgende Konzepte von Bedeutung: Das Konzept der horizontalen Segregation bezeichnet die ungleiche Verteilung von Frauen und Männern auf die unterschiedlichen Studien- und Berufsbereiche. Dagegen wird die ungleiche Verteilung von Männern und Frauen auf den verschiedenen Hierarchiestufen von Organisationen in der Arbeitswelt mit dem Begriff der vertikalen Segregation beschrieben. Mit diesen beiden Konzepten lässt sich die Struktur von Ungleichheitsverhältnissen zwischen den Geschlechtern in Ausbildung und Beruf untersuchen. In einer mikrosoziologischen Perspektive hat sich zudem das Konzept des «Doing gender» durchgesetzt. Damit lassen sich die Mechanismen der Geschlechterkonstruktion in alltäglichen Interaktionen analysieren, die zur Reproduktion der ungleichen Positionierung von Männern und Frauen in Organisationen beitragen. 

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Gender-Kompetenz

Die geschlechtergerechte Gestaltung der Hochschullehre erfordert von den Dozierenden, die eigene Gender-Kompetenz zu entwickeln. Hier eine Definition: «Gender-Kompetenz umfasst Wissen über Geschlechterverhältnisse und deren Ursachen sowie die Fähigkeit, dieses Wissen im alltäglichen Handeln anzuwenden und auf individueller Ebene zu reflektieren.» (Rosenkranz-Fallegger 2009:44)

Rosenkranz-Fallegger (2009) unterscheidet folgende vier Dimensionen von Gender-Kompetenz:
  1. Fachkompetenz
  2. Methodenkompetenz
  3. Sozialkompetenz
  4. Selbstkompetenz
1. Fachkompetenz: Sie umfasst das Wissen über historische, politische, kulturelle, ökonomische, rechtliche und soziale Aspekte der Geschlechterverhältnisse. Es beinhaltet also das theoretische und methodische Wissen, das im Rahmen der Gender Studies erarbeitet worden ist. Ihre genderbezogene Fachkompetenz als Lehrperson bezieht sich auf einige grundlegende Konzepte der Gender Studies (vgl. Gender), sowie auf jene Wissensbestände, die sich speziell auf Ihr Fachgebiet beziehen (vgl. dazu die Dimension «Fachinhalte» in der Selbstevaluation). 
2. Methodenkompetenz: Sie beinhaltet die Fähigkeit, Gender-Wissen in unterschiedliche Kontexte zu übersetzen. Für Sie als Lehrperson geht es um die Fähigkeit, Gender-Wissen in die Lehrinhalte Ihres Faches (vgl. Dimension «Fachinhalte») und in die methodische Gestaltung Ihrer Lehre (vgl. Dimension «Lehr-/Lernmethoden») zu übersetzen. Diese Umsetzung muss fach- und kontextspezifisch erfolgen.
3. Sozialkompetenz: Sie bezeichnet die Fähigkeit zur geschlechtersensiblen Gestaltung von beruflichen Beziehungen: die Fähigkeit, Diskriminierungen anzusprechen und zu transformieren, wie auch die Fähigkeit zum Umgang mit sozialen Rollen in Gruppen. Für Sie als Lehrperson ist damit die Kommunikation mit Ihren Studierenden angesprochen (vgl. Dimension «Kommunikation durch die Lehrperson») wie auch die Interaktionen unter Studierenden in Ihren Lehrveranstaltungen (vgl. Dimension «Interaktionen in der Lehre»).
4. Selbstkompetenz: Sie umfasst die Fähigkeit zur Selbstreflexion in Bezug auf die eigene Geschlechteridentität und auf eigene geschlechterbezogene Denk- und Handlungsmuster. Dies setzt eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema und eine gewisse Lernfähigkeit voraus. Damit ist Ihr Selbstverständnis als Dozentin oder Dozent angesprochen (vgl. Dimension «Selbstverständnis als Lehrperson»). 

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